Schmerzen in allen Körperteilen, schlechter Schlaf, Konzentrationsstörungen und viele Arztbesuche, aber keine Untersuchung bringt einen Befund? Dann lautet die Diagnose höchstwahrscheinlich Fibromyalgie. Eine Erkrankung, die gar nicht so selten auftritt, aber der leider viele nicht-Betroffene kaum Verständnis entgegenbringen.
Nicht selten wird die Fibromyalgie als Verlegenheitsdiagnose betitelt und die betroffenen Patienten müssen sich mit Vorurteilen herumschlagen, sie seien zu empfindlich und einfach wehleidig. Bei der Fibromyalgie handelt es sich zwar um eine sogenannte Ausschlussdiagnose, weil es keine messbaren Befunde gibt, die das Bestehen der Erkrankung nachweisen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Symptome auf reiner Einbildung beruhen. Die Migräne stellt beispielsweise ebenso eine Ausschlussdiagnose dar, jedoch hegt an ihrer Existenz kaum jemand einen Zweifel!
Ein klinischer Nachweise existiert nicht, da die Hintergründe der Fibromyalgie wissenschaftlich bisher nicht eindeutig geklärt sind. Derzeit ist die dominierende Vermutung, dass Störungen im Nervensystem bei der Verarbeitung von Schmerzreizen ursächlich für die Erkrankung sind.
Von welchen Erkrankungen ist die Fibromyalgie abzugrenzen?
Der Verlauf einer Fibromyalgie kann bei Patienten sehr unterschiedlich sein. Es kommt jedoch vor, dass die Symptomatik entzündlich rheumatischen Erkrankungen ähnelt. Tatsächlich wird die Fibromyalgie dem rheumatischen Formenkreis als Variante des Weichteilrheumatismus zugeordnet. An dieser Stelle erfolgt eine Erklärung zum rheumatischen Formenkreis, um weitere Missverständnisse zu verhindern.
Eine simple Diagnose „Rheuma“ existiert in der Medizin nicht. Heute werden verschiedene Beschwerdebilder, die sich am Bewegungsapparat abspielen, unter dem rheumatischen Formenkreis zusammengefasst. Dabei wird im Großen und Ganzen in 4 verschiedene Kategorien unterschieden:
– den entzündlich-rheumatischen Erkrankungen
– den degenerativen Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen
– den Stoffwechselerkrankungen
und dem erwähnten Weichteilrheumatismus
Allen Varianten ist der schubweise Verlauf, der mit Schmerzen, Schwellungen und Funktionsstörungen des Bewegungsapparats einhergeht, gemeinsam. Während es für die entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis oder Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) sowie den Stoffwechselerkrankungen Laboruntersuchung zur Diagnosestellung gibt, können bei den degenerativen Erkrankungen bildgebende Verfahren Aufschluss geben. Fallen diese Untersuchungsmethoden ohne Befund aus, wird die Diagnose Fibromyalgie gestellt.
Fibromyalgie und Rheuma aus naturheilkundlicher Sicht
Alle Erkrankungen des rheumatischen Formenkreis können naturheilkundlich als systemische Erkrankungen eingeordnet werden. Gemeint ist, dass nicht isoliert das schmerzende Körperteil erkrankt ist, sondern der Organismus als System ein Problem hat. So werden sogenannte stille Entzündungen als Ursache für Symptome, wie sie bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreis auftreten, häufig diskutiert. Dabei handelt es sich um Entzündungsprozesse, die selbst noch nicht symptomatisch sind und bei allgemeinen Laboruntersuchungen nicht in Erscheinung treten.
Leider bleiben stille Entzündungen dadurch jahrelang unentdeckt. Wenn die daraus resultierenden Erkrankungen dann in Erscheinung treten, ist es meist zu spät, den Prozess wieder gänzlich rückgängig zu machen. Jedoch lassen sich in der Regel Besserungen im Beschwerdebild erzielen, wenn der Organismus systemisch behandelt wird. Speziell bei der Behandlung von Fibromyalgie sind mir folgende Aspekte wichtig:
– ausführliche Anamnese zur Feststellung individueller Schwachpunkte
– Respektieren der individuellen Schmerzgrenze
– empathischer Umgang
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